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Steuern / Einkommensteuer 
Donnerstag, 06.08.2020

Alleinstehende Frau kann Kosten für künstliche Befruchtung steuermindernd geltend machen

Das Finanzgericht Münster entschied, dass Kosten für die künstliche Befruchtung einer Frau zu steuerlich abzugsfähigen außergewöhnlichen Belastungen führen können. Dabei komme es nicht darauf an, ob die Frau verheiratet sei oder in einer festen Beziehung lebe (Az. 1 K 3722/18).

Bei einer 40 Jahre alten Frau, die in ihrer Steuererklärung zu ihrem Beziehungsstatus keine Angaben machte, wurde eine krankheitsbedingte Fertilitätsstörung (Unfruchtbarkeit) festgestellt. Sie machte Kosten für eine Kinderwunschbehandlung in Höhe von ca. 12.000 Euro, worin auch Aufwendungen für eine Samenspende enthalten sind, als außergewöhnliche Belastungen geltend. Dies lehnte das Finanzamt ab. Solche Kosten seien nur bei verheirateten oder in einer festen Beziehung lebenden Frauen abzugsfähig.

Das Gericht gab jedoch der Klägerin Recht. Die gesamten Aufwendungen für die Kinderwunschbehandlung seien als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen. Die Unfruchtbarkeit der Klägerin stelle einen Krankheitszustand dar und sei nicht auf ihr Alter zurückzuführen. In der heutigen Zeit seien Schwangerschaften von Frauen über 40 nicht ungewöhnlich. Aus den anzuerkennenden Kosten seien die Aufwendungen für die Samenspende nicht herauszurechnen, da diese mit der Behandlung eine untrennbare Einheit bildeten.

Der Familienstand der Klägerin sei dabei unerheblich, da die Behandlung in Übereinstimmung mit den Richtlinien der Berufsordnungen für Ärzte vorgenommen worden sei. Jedenfalls in dem Bundesland, in dem die Klägerin behandelt wurde, seien künstliche Befruchtungen alleinstehender Frauen nicht durch diese Richtlinien ausgeschlossen. Zudem werde die Zwangslage unfruchtbarer Frauen durch die Krankheit hervorgerufen, nicht durch eine Ehe oder eine Partnerschaft.

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